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September 2021 - Adieu, Deutsche POP. Hallöchen, Fernuni Hagen!

Zack, das Jahr ist schon wieder rum und der Sprecherkurs an der Deutschen POP beendet. Das Zertifikat für das zweite Semester steht noch aus, aber die Abschlussprüfung liegt hinter mir, die Projektarbeit und alle Hausaufgaben sind abgegeben und auch der letzte Termin liegt schon eine Woche zurück. Das Lob von allen Seiten zu meinen Fortschritten im letzten Jahr lässt mich zu dem Schluss kommen, dass sich diese Investition von Zeit und Geld doch gelohnt hat. Sie hat ihren Zweck erfüllt.

Manchmal hatte der Kurs sogar Charakterzüge einer Selbsthilfegruppe, wenn ich an die Texte und Themen denke, über die wir gesprochen und an denen wir unsere Vorlesekünste erprobt haben. Mit Vertretern der kreativen Szene über seinen Stagnationsstress zu plaudern, weil ich seit – ehrlicherweise – zwei Jahren mit meinen Büchern auf der Stelle trete, tat mir gut. Künstler legen andere Maßstäbe zur Beurteilung von Dingen an, als ich es von den Menschen in meiner abgeklärten Business-Welt gewohnt bin. Sie sind deutlich herzlicher, nahbarer und naiver.

Ich halte Naivität dabei nicht für etwas Schlechtes (wenn sie nicht gerade in Weltfremdheit umschlägt), denn sie geht einher mit Zuversicht. Mit ihr lebt es sich besser. Allerdings wird sie sich vor dir hüten, wenn du immer nur in messbaren Erfolgs- und Leistungskriterien (bzw. monetären Wertkriterien) denkst, andauernd Bilanz ziehst und feststellen musst, dass du unter diesen Gesichtspunkten der Nichtskönner vom Dienst sein musst, selbst wenn die Hauptursache für den ausbleibenden, nächsten Schritt die aktuelle Branchenlage ist. Solche Denkmuster machen nicht wirklich Spaß, nehmen dir die Freude an der Tätigkeit und frustrieren zunehmend. Da haben die Gespräche mit den angehenden Sternchen der „Voice-Acting-Szene“ geholfen, weil sie den Glauben besitzen, dass alles schon irgendwie klappen wird.

Um den Bann der negativen Gedanken endgültig zu brechen, habe ich seit neuestem außerdem ein Ritual von einem guten Freund von mir übernommen. Er schreibt jeden Tag mindestens drei Dinge in ein Notizbuch, die ihn am Tag glücklich gemacht haben. Es ist sozusagen ein Mini-Tagebuch, gefüllt mit seinen schönsten Erlebnissen. Kleine wie große. Für jemanden, der alles Tolle schnell vergisst und sich nur auf seine Baustellen und Defizite konzentriert, ist das die perfekte Übung, um sein Denken neu zu justieren. Und allein das Lesen dieser Aufzeichnungen macht glücklich, wenn man sich dann doch wieder erinnern kann. Also habe ich damit nun auch begonnen.

Viele Eintragungen in mein „Glücklich-Buch“ habe ich dem anstehenden Studium an der Fernuni Hagen zu verdanken. Offiziell beginnt das Semester ja erst morgen, am 1. Oktober, aber ich war schon fleißig. Von 12 Skripten habe ich schon ca. 1,25 durchgelesen und auch Sophokles’ „König Ödipus“ verschlungen. Was da noch alles auf mich zukommt, klingt super interessant. Ich weiß zum aktuellen Zeitpunkt z.B. noch nicht besonders viel über die Kolonialgeschichte. Im Kontext mit Ödipus habe ich auch zum ersten Mal meinen „Putzger“ benutzen können (das ist ein historischer Atlas), damit ich nachvollziehen konnte, wo sich Aristoteles als Verfasser der „Poetik“ (kleiner Exkurs) im alten Griechenland zu Lebzeiten überall herumgetrieben hat, was ich sehr cool fand. Bei Onenote habe ich einen Zeitstrahl angelegt (von 3.000 v. Chr. bis heute), bei dem ich die Lebzeiten der wichtigsten Persönlichkeiten und die prägenden Ereignisse notiere, um einen Überblick zu haben, wer Zeitgenosse von wem war, was zu diesem oder jenem Moment schon wie lange zurückliegt usw. Meine ersten bzw. „ältesten“ Eintragungen sind bisher die Lebensspannen von Homer und Hesiod (griechische Dichter), die schätzungsweise zu Beginn des 7. Jahrhunderts v. Chr. lebten. Außerdem durfte ich schon einmal herzlich lachen, weil in meiner Uni-WhatsApp-Gruppe noch vor Beginn des ersten Semesters die Frage aufkam (von einem ehemaligen Lehramtsstudierenden wohlgemerkt), warum denn alles in den Studienbriefen der Fernuni gelernt werden solle, schließlich könne die Uni uns doch einfach sagen, was prüfungsrelevant sei. Als Student lernt man ja auch immer und grundsätzlich nur für eine Klausur und nie fürs Leben, was?

Im Oktober steht die Frankfurter Buchmesse an, die mich Hoffnung schöpfen lässt, dass die Buchverlage zu dieser Gelegenheit dann doch mal auf meine Manuskripte schielen – es ist eine typische Zeit für Vertragsabschlüsse. Außerdem werde ich mit einer guten Freundin an dem Messe-Freitag selbst vor Ort sein. Ich freue mich schon riesig – wer weiß, vielleicht kann man in der Schreibcommunity doch noch den ein oder anderen Kontakt knüpfen? Ich werde auf jeden Fall von meinen Eindrücken berichten.